Große Begeisterung beim Erste-Hilfe-Kurs für Rollstuhlfahrer in der Manfred-Sauer-Stiftung
Zum ersten Mal fand in der Manfred-Sauer-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) ein Erste-Hilfe-Kurs für Rollstuhlfahrer statt. Teilnehmer, Dozentin und Veranstalter zeigten sich begeistert.
Wer einen Führerschein hat, hat einmal einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Hier wird das nötige Wissen vermittelt, um in Not-Situationen richtig reagieren zu können. Je geübter eine Person ist, desto selbstsicherer kann sie im Ernstfall Erste Hilfe leisten. Ohne Übung besteht jedoch Unsicherheit – und seien wir ehrlich. Bei den meisten von uns liegt der Erwerb der Fahrerlaubnis schon ein, zwei Jährchen zurück.
Im November 2024 fand in der Manfred-Sauer-Stiftung zum ersten Mal ein Erste-Hilfe-Kurs statt, den das DRK speziell für Menschen, die im Rollstuhl mobil sind, konzipiert hat.
- Kursinhalte, die vermittelt wurden, waren:
- Richtiges Verhalten am Unfallort
- Reihenfolge der wichtigsten Erste Hilfe Maßnahmen
- Menschen in die stabile Seitenlage bringen
- Reanimation vornehmen, auch teilweise aus dem Rollstuhl
- Umstehende Personen anleiten
- Versorgung von Wunden und das Anlegen entsprechender Verbände bei Schnittverletzungen, Druckverband etc.
Begeisterung darüber, was alles möglich ist
Viele der 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren überrascht zu erfahren, was überhaupt alles möglich, denn die meisten konnten beim Erwerb des Führerscheins noch gehen und Techniken für Rollstuhlfahrer waren ihnen völlig neu.
Kursleiterin Lena Reusch vom DRK sagt: „Verunfallte Menschen in die stabile Seitenlage zu bringen, ist eine wichtige lebensrettenden Maßnahmen. Auch Rollstuhlfahrer können das tun, müssen dazu allerdings aus dem Rollstuhl und auf dem Boden sitzen. Viele Menschen zögern hier, weil sie Angst haben, allein nicht mehr in den Rollstuhl einsteigen zu können. Aber Rettungskräfte sind zu diesem Zeitpunkt ja optimalerweise schon unterwegs, und die können da dann helfen.“
Die Möglichkeiten für Helfer mit Querschnittlähmung hängen natürlich von der Lähmungshöhe ab. Tetraplegiker können nicht aus dem Rollstuhl auf den Boden gelangen und auch keiner Herzdruckmassage aus dem Rollstuhl heraus durchführen, was Paraplegiker mit ausreichender Rumpfstabilität durchaus können. Wichtiger als das ist aber meist die Fähigkeit andere Leute anzuleiten, die am Unfallort sind, aber nicht wissen, was zu tun ist.
Eigenverantwortliche Teilhabe
„Generell sollte der Erste Hilfe-Kurs regelmäßig aufgefrischt werden. Man vergisst ja so einiges“, so ein Teilnehmer. „Und wenn dann auch noch Tipps und Tricks verraten werden, wie das aus dem Rollstuhl heraus möglich ist – umso besser. Ich bin sehr dankbar, dass diese Möglichkeit in der Manfred-Sauer-Stiftung gegeben ist. Und dass sich das DRK überhaupt Gedanken um die Situation von Rollstuhlfahrern macht, ist ein enormer Schritt in die richtige Richtung hin zur eigenverantwortlichen Teilhabe.“
Auch Stiftungsgründer Manfred Sauer zeigt sich begeistert. „Dass Personen im Rollstuhl auch in Verantwortung genommen werden, finde ich gut. Vielleicht kann man selbst nicht alle Hilfeleistungen erbringen, aber andere Menschen anleiten, das kann man durchaus und es ist gut, wichtig und richtig, dies im Ernstfall dann auch tun zu können. Wir bedanken uns bei Frau Reusch, dass sie gemeinsam mit uns diesen Kurs für Gäste und Freunde der Stiftung ermöglicht hat.“